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Wasserversorgung

Das kostbarste Lebensmittel – Trinkwasser

Trinkwasser ist in Deutschland das am stärksten kontrollierte Lebensmittel. Und das aus gutem Grund: Jeder Mensch benötigt täglich etwa zwei bis drei Liter Wasser, um zu überleben. Dabei liegt der tatsächliche Bedarf an Wasser noch wesentlich höher, da Wasser nicht nur im Haushalt - vielmehr auch im Berufs- und Freizeitbereich - benötigt wird. In Mitteleuropa muss mit einem täglichen Bedarf von etwa 150 bis 200 Litern Trinkwasser gerechnet werden. In Stadtallendorf liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei ca. 115 Liter/Tag, der Jahresverbrauch eines Tarifkunden bei 43 m³.

Eine hygienische und sichere Trinkwasserversorgung ist ein entscheidender Beitrag zur Gesundheit und Daseinsvorsorge unserer Stadt. Daher gelten für die Wasserversorgung strenge Grenzwerte, die in zahlreichen Gesetzen und Verordnungen festgehalten sind – allen voran die Trinkwasserverordnung. Wie wertvoll Trinkwasser ist, bemerken Menschen meist erst dann, wenn es nicht zur Verfügung steht. Die Stadtwerke garantieren durch gut ausgebildetes Personal, modernes technisches Sicherheitsmanagement, regelmäßige Trinkwasseruntersuchungen von staatlich anerkannten Untersuchungsstellen bzw. -labors und die Finanzierung modernste Anlagentechnik, dass frisches und hygienisch einwandfreies Wasser jedem Wasserverbraucher zum menschlichen Verbrauch jederzeit zur Verfügung steht.

Versorgungssicherheit für Haushalte, Gewerbe und Industrie in der Kernstadt

Trinkwasser wird in der Kernstadt vom Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke – dessen Mitglied auch die Stadt Stadtallendorf ist – bezogen. Aus verschiedenen Brunnenketten wird Wasser aus der Tiefe gewonnen, im Wasserwerk „Am Plausdorfer Weg“ aufbereitet und über die Tiefzonen- und Hochzonenleitungen weiter transportiert. Die Stadtwerke stellen durch die Herstellung und die Betreuung der gesamten Infrastruktur aller Verteilungsanlagen sicher, dass das Wasser über die städtischen Hauptleitungen und Hausanschlüsse zu den Menschen gelangt. Zu unserer Wasserstatistik – Stand: 31.12.2013- einige interessante Angaben:

 

Länge des Leitungsnetzes: 140,71 km

Anzahl der Hausanschlüsse: 4.854

Wasserverbrauch Gewerbe und Industrie: 1.595.839 m³

Wasserverbrauch Haushalte 877.936 m³

Wassergebühr je m³, inkl. 7% MwSt: 1,27 €

Wasserverkauf Stadtwerke, inkl. Bauwasser und Standrohrmessungen: 2.479.518 m³

Anzahl aktiver Wasserverbrauchsstellen: 5.422

Letzte Gebührenerhöhung Wasser: 01.01.2003

 

Von den Stadtwerken werden auch die Löschwasservorhaltung, die Beschilderung der Hydranten/Schieber und die Jahresablesung der städtischen Hauswasserzähler, Groß- und Verbundzähler aus Gewerbe und Industrie sowie der im Fremdeigentum stehenden Zähler sichergestellt.

Bedingt durch die unterschiedlichen Höhenlagen des Stadtgebietes wird die Wasserverteilung an Menschen, Gewerbe und Industrie über verschiedene Versorgungszonen vorgenommen. Vom Wasserwerk Stadtallendorf fließt das Wasser in die Wasserleitungen der Tiefzone, die alle Bereiche südlich der Bahnlinie versorgen. Die größten Wasserabnehmer dieses Gebietes sind der Nahrungsmittelhersteller Ferrero und die Eisengießerei Winter, für die gesonderte Noteinspeisungen vorgehalten werden. Für die Wasserversorgung der höher gelegenen Bereiche des DAG Gebietes - Saale- und Wittigstraße - muss eine Druckerhöhungsanlage in der Elbestraße betrieben werden. Das in dieser Versorgungszone nicht benötigte Trinkwasser wird in den Tiefzonenbehältern (alt und neu) in der Nähe der Hessenkaserne gespeichert und vorgehalten.

Die Stadtbereiche nördlich der Main-Weser-Bahn (Versorgungsbereich Hochzone I) werden über die Hochzonenleitung des Zweckverbandes Mittelhessische Wasserwerke aus Richtung Wasserwerk versorgt. Das in diesem Versorgungsbereich nicht benötigte Trinkwasser wird im Hochbehälter Emsdorfer Höhe, der modernsten Speicheranlage des Stadtgebietes mit einem Fassungsvermögen von 1.200 m³, zunächst gesammelt und im Rücklauf wieder dem Rohrnetz zugeleitet. Das Gebiet der WASAG und Am Lohpfad (Versorgungsbereich Hochzone II) wird aus der Tiefzone über die Druckerhöhungsanlage im Gelände des Baubetriebshofes II an der Niederrheinischen Straße mit Trinkwasser versorgt.

Auch der Stadtteil Niederklein bezieht sein Wasser über eine Transportleitung aus dem Versorgungsbereich der Tiefzone. Die Übergabestelle befindet sich am Wendehammer der Lechstraße. Die Rücklaufversorgung während der pumpfreien Zeit wird über die Tiefzonenbehälter alt und neu gewährleistet. Zu dem gibt es den Hochbehälter Fuchsloch – in dem die Löschwasserversorgung des Stadtteils vorgehalten wird. Die Leitung von Niederklein zum Hochbehälter wird zur Vorbeugung von Verkeimungen in regelmäßigen Abständen gespült. Auch in Niederklein stellt eine Druckerhöhungsanlage der Stadtwerke in der Nähe des Festplatzes sicher, dass die Wohnbereiche um die Kirche herum mit kostbarem Wasser versorgt werden können. Und sollte das „Kernstadtwasser“ in Niederklein einmal nicht ausreichen, kann jederzeit „Schweinsberger Wasser“ aus dem zwischen den Stadtteilen gelegenen Hochbehälter „Fuchsloch“ zugeleitet werden.

Die zukünftigen Investitionen der Stadtwerke werden im Wesentlichen geprägt sein von der Neuordnung der Wasser- und Abwasserleitungen im DAG-Gebiet. Zurzeit sind noch „bombensichere“ Leitungen bis zu einer Verlegungstiefe von 6,00 m aus der Kriegszeit in Betrieb, die darüber hinaus noch private Grundstücke kreuzen. Diese Leitungen müssen in normgerechte Tiefen und in öffentliche, leicht zugängliche Straßenbereiche, umgelegt werden.

Teamarbeit und fachliche Kompetenz

Die Technische Abteilung der Stadtwerke stellt sicher, dass die planerischen und technischen Anforderungen für die Durchführung von Neubaumaßnahmen, Erneuerungen, Reparaturen und Stilllegungen am 141 km langen Leitungsnetz mit Hausanschlussleitungen von insgesamt ca. 75 km eingehalten werden.

Hierbei kommen modernste Mittel zum Einsatz: Durch das Grafische Informationssystem werden alle wichtigen Daten der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung (z. B. Standort von Schiebern, Hydranten, Leitungsmaße, Abstände zu Gebäuden, Lage von Hausanschlussleitungen, Schächte usw.) per Computer erfasst und auf dem aktuellen Stand gehalten. Der Einsatz einer Fernwirkanlage zur Fernüberwachung der Wassergewinnungs-, Aufbereitungs- und –speicheranlagen und des Rohrnetzes stellt sicher, dass Störungen und Rohrbrüche schnell und frühzeitig erkannt und von der Betriebsgruppe der Stadtwerke beseitigt werden. Der Rückgang der Wasserverluste ist auf die kontinuierlich durchgeführten Reparaturen und Erneuerungen von Versorgungs- und Hausanschlussleitungen und die Außerbetriebnahme von alten, teilweise überdimensionierten Versorgungsleitungen zurückzuführen. Der Betreuung der Wasserabnehmer kommt hier besondere Bedeutung zu.

Ob Leitungsnetz, Hausanschlüsse, Wasserzähler, Pumpen, Hydranten, Gewinnungs-, Aufbereitungs- oder Druckerhöhungsanlagen: Die Spezialisten der Betriebsgruppe sorgen Tag und Nacht dafür, dass das kostbare Nass da ankommt, wo es gebraucht wird. Durch die Vorhaltung von Armaturen, Rohrbruchdichtschellen und anderem Material im Lager der Stadtwerke wird garantiert, dass im Rohrnetzbereich schnell und zielgerichtet repariert werden kann.

Sollte in einem Haushalt oder Betrieb plötzlich die Wasserversorgung ausfallen oder es einen Rohrbruch geben, steht die Betriebsgruppe auch über die Schaltung einer Rufbereitschaft vierundzwanzig Stunden telefonisch zur Verfügung.

 

TELEFONNUMMER RUFBEREITSCHAFT UND STÖRUNGSDIENST: 06428/707-444

 

Das Wasser kommt aus eigenen Tiefbrunnen und einer Quelle

Die Stadtwerke betreuen in den Stadtteilen Schweinsberg, Niederklein, Erksdorf, Hatzbach und Wolferode 3 Tiefbrunnen, 7 Hochbehälter, 2 Pumpstationen, 3 Druckerhöhungsanlagen und 4 Anlagen zur Aufbereitung von Trinkwasser.

Der Anteil der in Eigenleistung gewonnen Wassermengen von rund 150.000 m³ beträgt an der gesamten Wassermenge lediglich 6 %. Dennoch muss auch dieser Fördermenge die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet werden, wie dies in der Kernstadt der Stadt Stadtallendorf der Fall ist.

Der Stadtteil Schweinsberg bezieht sein Wasser aus einem ca. 27 m tief liegenden und im Jahr 1913 erbauten Tiefbrunnen. Das Wasser wird zur Pumpstation weitergeleitet, wo es aufbreitet wird. Berieselung und Luftzufuhr entziehen dem Wasser die natürliche Kohlensäure. Dies ist deshalb erforderlich, um Schadstellen an verschiedenen Rohrmaterialien zu vermeiden. Erst hiernach fließt das Wasser in das Leitungsnetz und wird anschließend in den Hochbehälter „Fuchsloch“ gepumpt.

Der Tiefbrunnen des Stadtteils Erksdorf, der 60 m tief liegt, wurde im Jahr 2005 saniert und den modernsten technischen Anforderungen angepasst. Das geförderte Wasser wird im Brunnengebäude entsäuert und über einen Hochbehälter mit einer Kapazität von 400 m³ in das Rohrnetz des Stadtteils verteilt. Die Entsäuerungsanlage im Brunnengebäude besteht aus einer kombinierten chemischen und physikalischen Entsäuerung: Das Brunnenwasser läuft zunächst über ein Kunststoffgebläse mit Lamellen, um die Kohlensäure zu entziehen. Danach rieselt das Wasser durch Filtergestein, sogenanntes Aktolit, bevor es in Trinkwasserqualität in den Hochbehälter gepumpt wird. Dort befindet sich eine ph Messanlage mit Impfanlage.

Auch der Stadtteil Hatzbach hat einen Tiefbrunnen mit einer Tiefe von 80 m. Vor der Einspeisung in das Leitungsnetz wird das geförderte Wasser in einer Entsäuerungsanlage in der Schieberkammer des Wassergebäudes aufbereitet und in den nahe gelegenen Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von 250 m³ geführt.

Die Wasserversorgung im Stadtteil Wolferode wird durch die Entnahme von Wasser aus einer hochwertigen Quelle sichergestellt. Die Quellfassung/Zisterne befindet sich auf dem Gelände der Pumpstation. Das dort gewonnene Quellwasser wird in die nahegelegene Pumpstation weitergeführt. Dort findet eine vorbeugende Entkeimung durch UV-Bestrahlung und die Entsäuerung des Quellwassers durch den Einsatz von Tonröhrchen und Luftzufuhr statt. Das Prinzip der Entsäuerung ist ebenso einfach wie genial: An den Tonröhrchen vergrößert sich die Oberfläche des Wassers – die aggressive Kohlensäure kann entgasen. Das Wasser wird anschließend in einem Zwischenbehälter gesammelt und über eine Steigleitung von der Pumpstation zum Hochbehälter Wolferode gepumpt. Doch dies geschieht nicht kontinuierlich: Der Hochbehälter ist mittels Steuerungskabel und Anlagentechnik mit dem Zwischenbehälter verbunden. Wird im Hochbehälter Wasser gebraucht, gibt dieser ein Signal – und die Förderpumpen springen an. Zum Schutz der Brunnen wurden entsprechende Wasserschutzgebiete ausgewiesen. Besonders im Stadtteil Erksdorf, wo die Nitratbelastung des Wassers bedingt durch die landwirtschaftliche Betätigung höher ist, werden Maßnahmen zur Senkung der Werte vorbereitet. In Zusammenarbeit mit dem Wasser- und Bodenverband Marburger-Land werden Düngeberatungen, Kooperationen mit Landwirten und die Veränderung der Schutzgebietszonen dazu beitragen, eine langfristige Verbesserung des Trinkwasserschutzes herbeizuführen.