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12.02.2019

Stärkung des historischen Gewissens und Gedächtnisses

Der Machbarkeitsstudie zur Erweiterung des Dokumentations- und Informationszentrums (DIZ) in Stadtallendorf steht nichts mehr im Wege. Die Studie wird mit knapp 12.000 Euro aus dem LEADER-Fonds der Region Marburger Land gefördert.

Das DIZ ist eine international bekannte und anerkannte Einrichtung, die schwerpunktmäßig dem Thema Zwangsarbeit im Nationalsozialismus am Beispiel der Allendorfer Sprengstoffwerke DAG und WASAG gewidmet ist. Die Ausstellung beinhaltet die Geschichte von der Weimarer Republik bis in die 50er Jahre, vom kleinbäuerlichen Dorf zur späteren Industriestadt. Mit den Bausteinen: Dauerausstellung, Bibliothek und Archiv ist es ein wichtiger und anerkannter außerschulischer Lernort in Hessen. Finanziell und materiell wird die Arbeit des DIZ durch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf unterstützt. Inzwischen ist das DIZ an seine Kapazitätsgrenzen gekommen und es muss über eine Erweiterung nachgedacht werden, um „das historische Gewissen und Gedächtnis Stadtallendorfs“ und damit auch der Region zu stärken und zu profilieren. Dies ist das Ergebnis eines gemeinsam beauftragten Gutachtens des Heimat- und Geschichtsvereins und der Stadt. „Das Potenzial für eine inhaltliche Erweiterung ist definitiv vorhanden, genau wie der Wille dies auch umzusetzen.“, betont Christian Somogyi. Die Möglichkeiten der baulichen Erweiterung zu klären, ist Zweck der Machbarkeitsstudie, ebenso wie die wertvolle Ausstellung zu erhalten und didaktisch aufzubereiten. Das denkmalgeschützte Aufbaugebäude ist aufgrund seiner Geschichte als Verwaltungsgebäude der Dynamit AG (DAG) optimal, um das DIZ und die stadthistorische Ausstellung zu beherbergen. Im Zuge der Erweiterung wird der Zugang barrierefrei gestaltet und das Platzangebot für größere Gruppen und Schulklassen angepasst.
Der Landkreis Marburg-Biedenkopf unterstützt die Erhaltung und befürwortet eine Stärkung des Standortes. Hintergrund dafür sind Überlegungen, das DIZ als weiteren Ankerpunkt in der „Route der Arbeits- und Industriekultur“ aufzunehmen und so stärker zu betonen. „Mit der Route wollen wir über die Arbeits- und Industriegeschichte unserer Region informieren. Dazu zählen auch dunkle Kapitel, wie beispielsweise der Einsatz von Zwangsarbeitern in den Lagern und Sprengstoffwerken rund um Allendorf in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Das DIZ beleuchtet das Schicksal dieser Menschen in besonderer Weise. Diese wichtige Arbeit wollen wir nicht nur weiter unterstützen, sondern auch ausbauen“, sagte Landrätin Kirsten Fründt.
Die Machbarkeitsstudie ist mit ca. 30.000 Euro veranschlagt, davon sind 12.000 Euro Förderung mit LEADER-Mitteln der Region Marburger Land. Die Stadt Stadtallendorf beteiligt sich mit 18.000 Euro an dem Projekt.

Zur Region Marburger Land gehören die Kommunen:
Amöneburg, Ebsdorfergrund, Fronhausen, Lohra, Marburg (ohne Kernstadt, Cappel, Gisselberg, Marbach und Wehrda), Neustadt (Hessen), Stadtallendorf und Weimar (Lahn).
LEADER ist die Abkürzung des französischen "Liaison entre actions de développement de l'économie rurale" und wird übersetzt mit "Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung des ländlichen Raums". LEADER ist ein methodischer Ansatz der Regionalentwicklung, der es lokalen Akteuren ermöglicht, regionale Prozesse mit zu gestalten.